Ruine Suitbertstein (Das Schlösschen)

 
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Geschichte & Geschichten, Sehenswürdigkeiten
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Wer sich jemals fragte, warum eine Straße in Seibersbach „Zum Schloßgrund“ heißt, dem sei empfohlen sich mit Wanderschuhen auszurüsten und der Straße bis zu ihrem Ende und darüber hinaus zu folgen. Wer nicht über die Brücke auf die andere Seite des Seibersbachs wechselt sondern seinen Weg entlang des Zaunes der Wiesen folgt und dann am Ende in den Wald hineinkriecht, dann vorsichtig sich durch Gestrüpp und einen steilen Abhang bewegt, der wird weiter unten einen halb verwilderten Forstweg finden.

Ihm zu folgen ist spannend. Er wird begleitet durch riesige Felsblöcke, die teilweise wie bearbeitet rechtwinklig entlang des Weges und zwischen den Bäumen liegen. Nach einigen hundert Metern traut man dann seinen Augen kaum, wenn man rechts nach oben blickt und weit oben zwischen den Bäumen meint einen Burgturm zu entdecken. Kann das sein? Weit und breit kein Hinweisschild? Weder im Wald noch in Seibersbach oder Stromberg oder Dörrebach. Hier gibt es doch keine Burg, oder?

Wer sportlich ist, krabbelt den Hang hinauf um festzustellen: Doch, inmitten des Walds, kurz hinter Seibersbach, steht eine alte Burgruine und verfällt unbeachtet von irgendjemandem vor sich hin. Lediglich ein Drahtzaun mit dem Schild betreten verboten zeigt, dass es sich doch nicht um eine Fata Morgana handeln kann und diese Ruine zumindest irgendwie irgendwem bekannt ist…

Verwunschen liegt die Ruine des Burgturms über dem Tal des Seibersbaches. Die Anlage wurde offensichtlich nicht zur Abwehr genutzt, denn oberhalb schließen sich weitere Felsen an. Tiefe Narben zeichnen den Turm. Gleichwohl ist unschwer zu erkennen, dass es sich um einstmals stolzes Gebäude gehandelt haben muss.

Die Ruine ist auch von Dörrebach aus zu erreichen. Ohne wilde Klettereien und Kriechen durchs Gestrüpp. Aber auch von Dörrebach aus weist kein Schild auf diese Ruine hin. Man scheint übereingekommen zu sein, sie als großes Geheimnis zu bewahren…

Es handelt sich bei dieser Ruine um den ehemaligen adeligen Wohnturm Suitbertstein aus dem 15. Jahrhundert. Wer mag kann eine solche Anlage auch als Burg oder Schloss bezeichnen, denn klein und bescheiden war diese Behausung nicht, wie sich heute noch eindrucksvoll zeigt. Intensivere Erforschungen oder Grabungen hat es wohl bisher nicht gegeben. Bekannt ist immerhin, dass die Anlage auch eine kleine Kapelle umfasste. Möglicherweise wurde sie „nur“ 200 Jahre lang bewohnt und genutzt und bereits im 17. Jahrhundert wieder aufgegeben. Aber genaues ist nicht bekannt.

Immerhin: Noch in den 1920er Jahren war der Suitbertstein weithin bekannt und ein beliebtes Ausflugsziel. Erhalten geblieben sind Fotoaufnahmen von Sommerfrischlern, den Urlaubern, die Anfang des 20. Jahrhunderts gerne den Soonwald für den Jahresurlaub besuchten. Sie suchten und fanden den Suitbertsein, der damals noch nicht vom Wald verschluckt war.

Auch den älteren Seibersbachern ist die Ruine noch gut als das „Schlösschen“ bekannt. Bis zum Bau des Stausees war der Weg „Zum Schlossgrund“ ein beliebter Weg um zu Fuß oder mit dem Fahrrad von Seibersbach nach Stromberg zu gelangen. Nach Anlage des Stausees durch das Stromberger Kalkwerk war die Nutzung dieses Weges nicht mehr erwünscht, er wucherte von Seibersbacher Seite zu und geriet immer mehr in Vergessenheit. Wie auch das Schlösschen Suitbertstein.

 

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